Clusterkopfschmerz gehört zu der Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzsyndrome dieser Gruppe haben zwei Dinge gemeinsam: kurz andauernde, einseitige Schmerzattacken und autonome Symptome (vom vegetativen Nervensystem ausgehend). Oft wird der Clusterkopfschmerz allzu schnell als Migräne eingestuft. Aber es gibt einige Unterschiede.

Neben dem episodischen und dem chronischen Clusterkopfschmerz gehören zu dieser Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzen auch die episodische und chronische paroxysmale Hemikranie, die Hemicrania continua, das SUNCT-Syndrom (short-lasting unilateral neuralgiform headache with conjunctioninal injection and tearing) und das SUNA-Syndrom (short-lasting unilateral neuralgiform headache attacks with cranial autonomic symptoms).

Cluster bedeutet „Häufung“

Dies bezieht sich auf die Eigenart dieser Kopfschmerzen, gehäuft im Jahr für einige Wochen bis Monate aufzutreten. Beginn der Attacken ist meist im Frühjahr oder Herbst. Dann hat man unter Umständen Monate bis Jahre keine Symptome.

Die Kopfschmerzattacken sind streng einseitig und extrem heftig.

Der Punkt des schlimmsten Schmerzes wird hinter dem Auge angegeben. Männer sind dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Gleichzeitig und auf derselben Seite des Schmerzes kommt es zu autonomen Symptomen. Autonome Symptome sind Begleiterscheinungen, die durch das vegetative Nervensystem verursacht werden.

  • Rötung des Auges
  • Augentränen
  • Hängendes Augenlid
  • laufende oder verstopfte Nase
  • Schwitzen im Gesicht oder der Stirn
  • Rötungen des Gesichtes oder der Stirn
  • „Völlegefühl“ im Ohr

Die Attacken treten bis zu 8 mal pro Tag auf, vor allem in der Nacht und dauern zwischen 15 Minuten und 3 Stunden an. Ein typisches Merkmal ist auch eine Unruhe und ein Bewegungsdrang und wird als diagnostisches Kriterium verwendet. 50% der Patienten haben während der Attacke auch einen einseitigen Begleitkopfschmerz, der sich nicht nur auf das Auge bezieht. Auch migräneähnliche Symptome wie Aura, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit können vorkommen.

Zu 80% kommt der Clusterkopfschmerz episodisch vor.

Das bedeutet, es wechseln sich Attacken-Cluster mit beschwerdefreien Zeiten ab. Wenn die Clusterperiode über 1 Jahr andauert ohne spontane Beendigung oder sind die Phasen zwischen den Attacken weniger als 1 Monat, liegt ein chronischer Cluster-Kopfschmerz vor.

Der genaue Mechanismus der Entstehung ist unklar.

Es bestehen biologische Rhythmusstörungen. Häufig treten die Attacken zur gleichen Zeit am Tag, oft 1 – 2 Stunden nach dem Einschlafen im REM-Schlaf oder in den frühen Morgenstunden auf. Auch die Häufung im Frühjahr und Herbst und die Störung der zirkadianen (tagesrhythmischen) Ausschüttung mancher Hormonen lässt auf eine biologische Rhythmusstörung schließen.

Nicht sehr häufig, aber extrem belastend.

Die 1-Jahresprävalenz liegt bei 0,1% bis 0,2%. Das heißt die Häufigkeit der Personen, die in einem Jahr unter dieser Erkrankung leiden liegt bei 1 – 2 von 1000 Personen. Vererbungsfaktoren sind bisher keine bekannt, es wird aber eine familiäre Belastung von 2 – 7 % angenommen.

Beginn der Symptome ist oft mit Ende 20, Anfang 30.

Aber in jedem Alter kann eine Clusterkopfschmerz auftauchen. Die meisten Patienten haben Jahre oder Jahrzehnte mit diesen Kopfschmerzen zu tun. In höherem Alter gehen die Beschwerden zurück. Bei 12% geht der episodische in einen chronischen Cluster über.

Die Diagnostik erfordert eine ausführliche Anamnese und eine klinisch-neurologische Untersuchung.

vor allem der Nervus Trigeminus und Lokalbefunde am Auge müssen untersucht werden. Bei der Erstdiagnose und neurologischen Ausfallerscheinungen sollte eine Bildgebung erfolgen um andere Ursachen auszuschließen.

Die Therapie unterscheidet Attackenkupierung und die Prophylaxe.

Zur Behandlung einer akuten Attacke sind die Inhalation von Sauerstoff und die Gabe von Triptanen Therapie der 1. Wahl. Sumaptriptan als Subcutanspritze oder Zolmitriptan als Nasenspray haben sich hier, ähnlich wie bei der Migräne, bewährt. Als zweite Wahl gilt Lidocain Nasenspray oder Sumatriptan nasal.

Die Prophylaxe sollte mit Verapamil erfolgen. Hier ist eine Kontrolle des EKG und des Blutdrucks in der Einstellphase erforderlich, da da Mittel zu den Blutdrucksenkern und Herzmedikamenten gehört. Alternative hierzu sind Corticoide. Mittel der zweiten Wahl ist Lithium oder Topiramat, welches auch bei Migräne verwendet wird.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar andere Medikamente, die man versuchen kann, wenn alles nichts hilft. Manchmal ist die Einstellung schwierig und langwierig. Wenn alles versagt, kann eine operative Therapie versucht werden. Zum Beispiel das Freilegen von bestimmten Gefäßen, Stimulation von Ganglien oder Tiefenhirnstimulation.

Viele Medikamente, die bei seltenen primären Kopfschmerzen wirken, haben hierfür keine Zulassung.

Niedergelassene Ärzte, aber auch Spezialzentren für Kopfschmerz haben mit Regressanforderungen bei gesetzlich Versicherten zu kämpfen, da viele Medikamente keine Zulassung für dieses Krankheitsbild haben und die Krankenkassen die Therapie nicht bezahlen. Diese Medikamente werden Off-Label eingesetzt. Für den Cluster-Kopfschmerz sind nur Sumatriptan als subcutane Spritze und Zolmitriptan als Nasenspray sowie Lithium (und hier nur ein Präparat) zugelassen. Die anderen haben keine Zulassung für das Krankheitsbild.

Alternative Heilmethoden sind nicht ausreichend untersucht oder wirken nicht gut. Die Akupunktur, die zum Bespiel bei Migräne und Spannungskopfschmerz gut wirkt, kann hier auch nicht mit Erfolg prahlen. Es bleibt für Hausärzte, Neurologen und Schmerztherapeuten nur die Einstellung mit Medikamenten und falls nichts hilft und der Leidensdruck sehr groß ist, eine Vorstellung der Patienten in Spezialkliniken mit operativem Ansatz.

Insgesamt kann man sagen, dass die trigemino-autonomen Kopfschmerzen selten sind, aber durch die richtige Diagnose vielen Betroffenen durch die Auswahl der geeigneten Therapie geholfen werden kann.