Kennen Sie sie Werbung: „Es gibt 37 Arten von Kopfschmerzen die Sie selbst behandeln können. Für alle gibt es Thomapyrin.“?

Hört sich gut an, kann helfen, muss aber nicht und kann auch schaden.

Das Thema Kopfschmerzen ist komplex, sowohl die Einteilung, als auch die Pathophysiologie und die Therapie. Laut Internationale Headache Society werden die Kopfschmerzen in 3 große Kategorien eingeteilt.

 

1. Primäre Kopfschmerzen: Hier ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung

  • Migräne
  • Kopfschmerzen vom Spannungstyp
  • Clusterkopfschmerz und andere Trigemino-Autonome Kopfschmerzen

 

2. Sekundäre Kopfschmerzen: Hier ist der Kopfschmerz ein Symptom einer anderen Erkrankung

  • HWS-Trauma oder Schädel-Hirn-Trauma
  • Gefäßstörungen im Kopf
  • Erkrankungen innerhalb der Schädeldecke
  • Fehlgebrauch von Medikamenten oder Medikamenten-Entzug
  • eine Infektion von z.B. Hirnhäuten, Nasennebenhöhlen, Augen, Ohren, Zähnen
  • Durchblutungsstörungen oder Blutungen im Gehirn
  • psychiatrische Störungen

 

3. Kraniale Neuralgien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz und andere Kopfschmerzen

  • z.B. Trigeminusneuralgie, Optikusneuralgie, Zoster-Neuralgie, primärer Gesichtsschmerz

 

Viele sekundäre Kopfschmerzarten gehören in den Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Neurologen. In der Schmerztherapie sind in diesem Bereich vor allem der Kopfschmerz interessant, der durch Medikamente verursacht wird oder durch Medikamenten- oder Substanzentzug. Er ist der häufigste sekundäre Kopfschmerz.

Die mit Abstand häufigsten Kopfschmerzen gehören in den Bereich der primären Kopfschmerzen. Hier ist der Spannungskopfschmerz mit 80% Prävalenz (Häufigkeit des Vorkommens) vorherrschend. Auf Platz zwei ist die Migräne. Bei Männern hat sie eine Prävalenz von 6 – 8%, bei Frauen 12 – 24%.

Aber auch Clusterkopfschmerz, Trigeminusneuralgien, idiopathische Gesichtsschmerzen und Zoster-Neuralgien sind weitläufig bekannt.

Genauso unterschiedlich wie die Ursache des Kopfschmerzes, ist auch Ihre Behandlung.

Bei vielen Kopfschmerzarten hat man den Pathomechanismus, der den Schmerz auslöst, noch nicht oder nur teilweise entschlüsseln können. Dies erschwert logischerweise die Therapie. Wie kann ich was behandeln, was ich nicht richtig verstehe?

Dieses Problem ergibt sich vor allem bei den primären Kopfschmerzarten. Die sekundären Kopfschmerzen werden in erster Linie damit behandelt, indem man die Grunderkrankung angeht.

Kopfschmerzen verursachen enorme Kosten

Am besten zu ermitteln sind die Kosten für Migräne. Allein für rezeptpflichtige Migränemittel werden im Jahr ca. 67 Mio Euro ausgegeben, freiverkäufliche Migränemedikamente machen zusätzlich 92 – 490 Mio Euro aus. 36 – 138 Mio Euro werden für ambulante Migräne-Behandlungen ausgegeben, für stationäre nochmal 26 Mio Euro. Die Fehltage allein durch Migräne entsprechen pro Jahr 185.000 Vollerwerbstätigen. Für den Spannungskopfscherz werden nochmal ähnliche Summen geschätzt (Schätzungen in Anlehnung an Erhebungen des Instituts für Gesundlheitsökonomik München 2004).

Die Unterscheidung der einzelnen Kopfschmerzarten ist manchmal komplex. Gerade bei chronischen Kopfschmerzen sind die harten Kriterien für einen bestimmten Kopfschmerz nicht immer erfüllt oder sind verschwommen. Hier ist Erfahrung und Fachwissen erforderlich. Gerne berate ich Sie zu diesem Thema und erarbeite gemeinsam mit Ihnen ein Therapiekonzept.

Im nächsten Beitrag werde ich auf die einzelnen Kopfschmerzarten näher eingehen und vor allem die Therapiemöglichkeiten aufzeigen.