Migräne ist eine häufige Erkrankung, 20% der Frauen und 8% der Männer geben an, unter Migräne-Kopfschmerz zu leiden. Am meisten vertreten ist diese Erkrankung zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Frauen sind 3 x so häufig betroffen wie Männer.

Der Leidensdruck bei einer Migräne-Attacke ist groß.

Es kommt zu heftigen Attacken meist einseitiger Kopfschmerzen, die als pochend-pulsierend beschrieben werden. In der Regel werden sie bei körperlicher Anstrengung stärker. 1/3 der Patienten hat die Schmerzen im gesamten Kopf. Zusätzlich kommt es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegen Gerüche. Manchmal tränen auch die Augen. Die Attacken dauern 4 – 72 Stunden an. Bei Kindern kann das Ganze auch ohne Kopfschmerzen, aber mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen.

Die Diagnose „Migräne“ sollte erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt werden.

Erst müssen neurologische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Vor allem bei untypischen oder heftigen Kopfschmerzen, auch bei neu aufgetretenen oder lang anhaltenden Kopfschmerzen, die auf keine Therapie ansprechen. Zum Beispiel muss eine intrakranielle Blutung, eine Entzündung der Hirnhäute, eine Raumforderung oder eine Erkrankung der Augen ausgeschlossen werden.

Die Migräne ist die primäre Kopfschmerzart, die am besten untersucht ist.

Es kommt innerhalb und außerhalb der Migräne-Attacke zu unterschiedlicher Durchblutung im Gehirn, wobei der Hirnstamm der Generator der Attacke zu sein scheint. In der Aura finden Vasospasmen (Gefäßverengungen) statt, in der Kopfschmerzphase sind die Gefäße wieder normal oder erweitert. Gleichzeitig kommt es zu Veränderungen in der Aktivität der Nervenzellen.  Insgesamt resultiert all das in einer gestörten Schmerzwahrnehmung und einer gestörten Schmerzhemmung im Hirnstamm. Die Filterfunktion der Wahrnehmung bricht zusammen und man bekommt dauerhaft Input von den Hirnhäuten, welcher als äußert unangenehmer Schmerz empfunden wird.

Manchmal dauern die Vor- und Nachwehen einer Attacke mehrere Tage oder Wochen an.

Der Ablauf der klassischen Migräne ist folgender: Vorphase, Aura, Kopfschmerz, Schlafphase, Postdromalphase (Erholungsphase).

Kann man eine Attacke vorhersagen?

Manche Patienten merken schon im Prodromalstadium (Vorphase, Stunden bis Tage), dass sich was anbahnt: Unwohlsein, Müdigkeit, Abneigung gegen Essen. Und natürlich haben viele eine klassische Migräneaura, muss aber nicht sein. Typischerweise kommt es zu c-förmigen Lichtblitzen, die sich vergrößern. Viele Patienten kennen „Ihre Trigger“. Das sind Situationen oder körperliche Zustände, die regelmäßig eine Attacke auslösen. Zum Beispiel zu langes Schlafen am Wochenende, Übermüdung, grelle Lichter, Lichtblitze in der Disco, Stress, körperliche Überanstrengung, Wetter, Alkohol.

Es gibt unterschiedliche Migränearten und Sonderformen

Migräne mit und ohne Aura, chronische Migräne, episodische Migräne, komplizierte Migräne. Dazu gehören die familiäre hemiplegische Migräne (Vorkommen 1:10.000), die mit einer Halbseitenlähmung einhergeht, die Basilaris-Migräne, die sich in Gangstörungen, Lähmungen und Sehstörungen äußert, und die ophthalmoplegische Migräne, die Sehstörungen verursacht.

Was die Sache erschwert ist, dass viele Kopfschmerzarten Mischformen sind.

Insgesamt ist der Leidensdruck sehr groß und das Alltags- und Berufsleben stark eingeschränkt.

Manche Patienten stehen in ständiger ängstlicher Erwartung, wann denn die nächste Attacke kommt. Daher ist es wichtig, die Erkrankung zu kennen und gezielt zu behandeln. Es gibt Medikamente für die Akutphase, die man bei starker Übelkeit und Erbrechen auch in die Vene oder unter die Haut spritzen kann. Meist kommt man aber mit einer Schmelztablette oder Ähnlichem gut zurecht. Akutmedikamente sollten immer griffbereit sein, falls man mal überrascht wird. Außerdem gibt es Medikamente zur Prophylaxe, die die Attackenhäufigkeit und Heftigkeit herabsetzen. Im Januar ist eine neue Leitlinie herausgekommen mit den neuesten Empfehlungen was das Verabreichen und die Wirksamkeit von Medikamenten angeht. All das hier aufzuführen, wäre zu komplex. Gerne berate ich Sie bei Bedarf indviduell.

Was wirkt noch außer Medikamente?

Als Prophylaxe wird aerober Ausdauersport empfohlen, also längere Einheiten in niedrigem Pulsbereich. Bei Beeinträchtigung der Lebensqualität sollte eine psychologische Schmerztherapie erfolgen, die Entspannungsverfahren, Stressmanagement und Schmerzbewältigung bearbeitet. Außerdem sollte der Alltag beleuchtet werden und Stressquellen oder selbst- oder fremdverschuldeter Druck reduziert werden.

Nach meiner Erfahrung wirk eine Therapie nach traditioneller chinesischer Medizin (TCM) sehr gut. Hier wird eine Kombination aus Akupunkturnadeln und Ernährungsmanagement gemacht, ggf. auch mit Kräutern in Teeform. In der TCM ist die Migräne Ausdruck einer bestimmten Störung, die therapierbar ist. Studien belegen, dass Akupunktur bei Migräne wirkt. Leider ist die Ernährungstherapie nicht berücksichtigt, die unbedingt in die Therapie mit rein muss, da sie nochmal einen großen Nutzen bringt. Außerdem haben beide Verfahren keinerlei Nebenwirkungen außer eine Erhöhung des Wohlbefindens.

Der Schlüssel ist eine Kombination aus Medikamenten und alternativen Heilmethoden. 

Die richtige Kombination zu finden, kostet vielleicht etwas Zeit und Mühe, aber lohnt sich auf jeden Fall.