Warum braucht man eine Leistungsdiagnostik?

Die Leistungsdiagnostik wird seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Ausführungen in Leistungs- und Freizeitsport eingesetzt. Sie liefert wesentliche Voraussetzungen für eine optimale Trainingssteuerung und zugleich Rückmeldung über die Qualität des vergangenen Trainings. Das Training lässt sich somit sehr zielorientiert gestalten, womit das begrenzte Zeitbudget gerade im Freizeitsport optimal ausgenutzt werden kann.

Die anaerobe Schwelle

Für die Trainingssteuerung ist die Art der Energiebereitstellung bei den verschiedenen Belastungsintensitäten wichtig. Das heißt: Läuft die Energiebereitstellung mit (aerob) oder ohne Sauerstoff (anaerob) ab? Bei geringen und mittleren Belastungsstufen findet die Energiegewinnung unter Einwirkung von Sauerstoff statt. Fett und Glykogen (Kohlenhydrat) werden unter Verbrauch von Sauerstoff abgebaut. Steigt die Belastung, reicht der aerobe Stoffwechselweg nicht mehr aus, um den Energiebedarf zu decken. Jetzt werden Kohlenhydrate ohne Sauerstoffeinwirkung verbrannt. Dabei entsteht Laktat. Wenn der Körper dieses nicht mehr ausreichend abbauen kann, häuft es sich im Muskel an und führt zur Ermüdung und Belastungsabbruch. Dieser Übergangsbereich, an dem sich Produktion und Elimination die Waage halten – die anaerobe Schwelle – wird bei der Leistungsdiagnostik bestimmt.
Die Software errechnet die individuellen Trainingsbereiche für Grundlagenausdauer, Entwicklungsbereich und Spitzenbereich. Man kann sich also an der Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Pace oder Watt orientieren und seinen Trainingsplan optimal gestalten.

Eines der am weitesten verbreiteten Verfahren im Bereich der Leistungsdiagnostik für Ausdauersportler ist der Laktatstufentest.

Es werden ansteigende Belastungsstufen von 3 – 4 Minuten auf dem Laufband oder Fahrradergometer durchlaufen. Nach jeder Stufe wird der Laktatspiegel in einem kleinen Tropfen Kapillarblut aus dem Ohrläppchen gemessen. Dies ist eine angenehme Methode der Messung, zumal man bei der steigenden Anstrengung des Testes den kleinen Pieks im Ohrläppchen kaum noch wahrnimmt. Man steigert die Belastung normalerweise bis zur Ausbelastung, eine submaximale Leistung ist aber ebenfalls ausreichend, was vor allem für Sportler mit Vorerkrankungen oder ältere Sportler von Vorteil ist.
Während des Testes wird ständig die Herzfrequenz gemessen. Dann werden die Werte in eine Software eingegeben. Die Auswertung kann mit mehreren Formeln erfolgen (z.B. Dickhuth und Mader). Als Ergebnis erhält man die Trainingsbereiche, nach denen der Trainingsplan gestaltet werden kann.

Es gibt noch andere Verfahren zur Ausdauerdiagnostik

Viele kennen die Spiroergometrie. Auf diese will ich nur ganz kurz eingehen. Hier werden die Atemgase über einer fest sitzenden Gesichtsmaske gemessen und über eine Änderung der Atemgase die Schwellen bestimmt. Dieses Verfahren in Kombination mit dem Laktatstufentest gilt als Goldstandard in der Leistungsdiagnostik.  Für Hobbysportler reicht der Laktatstufentest alleine meiner Meinung nach völlig aus. Außerdem hat sich herausgestellt, dass durch das Tragen der Gesichtsmaske bei der Spiroergometrie die Ergebnisse öfters verfälscht werden, weil der Ungeübte anders atmet als ohne Maske. Es ist natürlich auch eine Kostenfrage, wenn man den Test mehrfach im Jahr – was sinnvoll ist – durchführt. Die Spiroergometrie ist deutlich teurer als der einfache Laktatstufentest.

Wie lange dauert das und was kostet das?

Die Belastungsdauer ist ca. 20 Minuten. Die Auswertung erhält man nach ein paar Minuten. Zählt man das Einführungsgespräch und das Abschlussgespräch mit, kommt man auf ca. 60 bis 90 min. Ideal ist es, wenn man den Test mit einer sportmedizinischen Check-up-Untersuchung koppelt. Dazu gehören noch weitere Untersuchungen der Organe und des Bewegungsapparates und ein ausführliches Anamnese- und Beratungsgespräch. Die Krankenkassen übernehmen sehr häufig zumindest teilweise die Kosten für einen Sport-Check-Up.
Die Kosten für den Laktattest belaufen sich auf ca. 80 €.

Der Test sollte mehrfach im Jahr durchgeführt werden.

Es ist sinnvoll, den Test in einer Saison alle 3 – 6  Monate zu wiederholen. Jeder Test zeigt nur eine Momentaufnahme der Stoffwechselsituation, die sich mit Training oder bei Inaktivität verändert. Für Leistungssportler ist so ein Test schon Routine, welche in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. Für Hobbysportler und Einsteiger ist der Test einmal pro Jahr oft ausreichend, wenn nur ein Wettkampf als Saisonhöhepunkt angestrebt wird.

Insgesamt ist der Laktatstufentest ein einfach durchzuführendes Verfahren, das schnell einen Überblick über die Stoffwechsel- und Leistungssituation gibt und ist für jeden Sportler – ob Leistungssportler, Hobbysportler oder Einsteiger – empfehlenswert.