Cannabinoide sind eine Stoffgruppe, zu denen Hanfcannabinoide („Medizinalhanf“), Cannabis-ähnliche Wirkstoffe aus anderen Pflanzen und synthetische Cannabinoide gehören.
Verschiedene Zubereitungsformen von Cannabis haben vielfältige Wirkungen und werden bei einer Vielzahl von Symptomen und Erkrankungen eingesetzt. Allerdings sind die klinischen Studien zu Cannabinoiden oft nur begrenzt aussagefähig, weil sie häufig nur über einen kurzen Zeitraum mit wenigen Patienten durchgeführt wurden und im Endeffekt keine Aussagen über anhaltenden Benefit erlauben. Trotzdem ist eine positive Wirkung in einigen Indikationen belegt. Im Folgenden wird die Datenlage zu einigen wichtigen Anwendungsgebieten kurz dargestellt.

 

Spastik bei Multipler Sklerose
Die Behandlung der mittelschweren bis schweren, therapieresistenten Spastik bei multipler Sklerose ist die einzige Indikation, in der in Deutschland ein cannabinoidhaltiges Arzneimittel zugelassen ist. Im Juni 2012 hat der Gemeinsame Bundesausschuss für den Extrakt einen geringen Zusatznutzen festgestellt. Im Vergleich zu Placebo verbesserte der Cannabisextrakt Spastik, Spasmenhäufigkeit und Schlafqualität. Cannabinoide scheinen auch gegen Schmerzen bei multipler Sklerose wirksam zu sein.

Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie
Cannabinoide zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie sind gut untersucht. Die Wirksamkeit in dieser Indikation gilt als belegt. Da Arzneimittel mit besserer Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen zur Verfügung stehen, sind Cannabinoide jedoch keine Mittel der ersten Wahl.

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Für die Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabinoiden bei HIV/AIDS-assoziierter Anorexie gibt es keine ausreichende Evidenz. Cannabinoide werden auch bei Patienten mit Gewichtsverlust anderer Ursache eingesetzt, z. B. bei Tumorerkrankungen und M. Alzheimer. Eine Wirksamkeit in diesen Indikationen ist allerdings nicht sicher belegt.

Chronische Schmerzen
Bei akuten Schmerzen scheinen Cannabinoide schlecht oder gar nicht wirksam zu sein. Bei chronischen Schmerzen dagegen zeigt sich eine positive Wirkung bei der Mehrzahl der klinischen Studien. Deswegen ist bei chronischen und insbesondere neuropathischen Schmerzen ein Therapieversuch mit Cannabinoiden gerechtfertigt, wenn andere Therapiestrategien ohne Erfolg blieben. Da Cannabinoide gleichzeitig den Appetit stimulieren, die Stimmung aufhellen, die Übelkeit hemmen und den Schlaf fördern können, kann ihr Einsatz in der Palliativmedizin erwogen werden.

Morbus Parkinson
Klinische Studien zur Behandlung von Patienten mit M. Parkinson mit Cannabinoiden haben insgesamt enttäuschende Ergebnisse erbracht, allerdings sind auch positive Wirkungen beschrieben worden.

Andere Indikationen
Für zahlreiche weitere Indikationen werden positive Wirkungen von Cannabinoiden beschrieben, bei allerdings unzureichender Datenlage, so dass keine abschließende Bewertung möglich ist. Dazu gehören Epilepsie, Schizophrenie (obwohl dies auch eine Nebenwirkung ist, wie wir unten sehen) Kopfschmerzen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

 

Ungefährlich ist Cannabis nicht, außerdem ist es eine Droge: Die Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Cannabinoiden gehören Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Weitere Nebenwirkungen sind Stimmungsänderungen (Euphorie, „High“-Gefühl, schlechte Stimmung, auch Ängste), Schwindel, Mundtrockenheit, reduzierter Tränenfluss, Muskelrelaxation, Steigerung des Appetits, Herzrasen, Blutdruckstörungen und Durchblutungsstörungen des Herzens, in Einzelfällen bis zum Herzinfarkt.
Lebensbedrohliche Komplikationen wurden nach medizinischem Einsatz von Cannabinoiden noch nicht berichtet. Der Gebrauch von Cannabis erhöht das Risiko, an einer Psychose zu erkranken. Vor allem das sich entwickelnde Gehirn junger Menschen ist stark gefährdet.

Bei wiederholtem Gebrauch bildet sich eine Toleranz gegenüber vielen Wirkungen der Cannabinoide aus.
Es stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein, bei plötzlichem Absetzen kann ein Entzug auftreten.
Als Kontraindikationen gelten Schwangerschaft sowie kardiale Ischämien oder Psychosen in der Vorgeschichte. Wechselwirkungen müssen beachtet werden.

 

Die Kostenübernahme muss bei der Versicherung geklärt werden
Aus Sicht der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft ist eine Ablehnung der Kostenübernahme durch die Kostenträger nicht durch den Verweis auf eine unzureichende wissenschaftliche Datenlage gerechtfertigt, wenn in einem individuellen Heilversuch für den Patienten bestätigt worden ist, dass die Medikation mit einem cannabinoidhaltigen Arzneimittel effektiv und verträglich ist. Also ist eine

 

Fazit
Für einzelne Patienten kann der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden sinnvoll sein. Das Wundermittel, dass alle Probleme löst, ist es jedoch bei Weitem nicht. Die Wirksamkeit ist, nach meiner Erfahrung, in der Schmerztherapie oft mäßig bis schlecht. Die Anwendung von Cannabinoiden scheint außerdem durch das enge therapeutische Fenster begrenzt zu sein, weil Patienten vor allem bei längerfristiger Therapie oft wegen der Nebenwirkungen die Behandlung abbrechen.