Was sind opioidhaltige Schmerzmittel?
Opioide ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe natürlicher und chemisch hergestellter Substanzen, welche wie Opium schmerzlindernd wirken. Opioide werden vom Körper auch selbst hergestellt (sogenannte endogene Opioide). Sie werden bei Stress ausgeschüttet und unterdrücken akute Schmerzen und Hunger. Als Opiate werden natürliche Substanzen, die im Opium vorkommen, bezeichnet. Opium wird seit Jahrtausenden zur Schmerzlinderung eingesetzt. Heute gibt es moderne Opioide, die in der Medizin eingesetzt werden.
Unberechtige Hoffnungen und Ängste bei der Verwendung opioidhaltiger Schmerzmittel
Falsche Vorstellungen bei Patienten und Angehörigen erschweren den gezielten Einsatz von opioidhaltigen Schmerzmitteln bei chronischen nichttumorbedingten Schmerzen.
Zum Beispiel glauben viele, Opioide sind die stärksten und damit wirksamsten Schmerzmittel die es gibt. Die Analysen der wissenschaftlichen Studien zeigen, dass diese Annahme falsch ist. Bei einigen Arten von chronischen Schmerzen, z. B. Schmerzen bei Gelenkverschleiß, sind sogenannte Rheumamedikamente (Nichtsteroidale Antirheumatika) im Durchschnitt wirksamer in der Schmerzreduktion als opioidhaltige Schmerzmittel. Weiterhin gibt es chronische Schmerzformen (z. B. Migräne), bei denen opiodhaltige Schmerzmittel nicht wirksam sind bzw. die Nebenwirkungen bei den meisten Patienten ausgeprägter sind als die Schmerzlinderung. Sie finden im Folgenden eine Aufstellung von Krankheiten, bei denen ein Therapieversuch mit opiodhaltigen Schmerzmitteln als sinnvoll bzw.nicht sinnvoll erachtet wird.

Die Angst „Opiodhaltige Schmerzmittel machen süchtig“, ist weit verbreitet.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass nach einer längeren (> 4 Wochen) Therapie mit opiodhaltigen Schmerzmitteln eine körperliche Abhängigkeit entstehen kann (jedoch nicht muss). Wird das Medikament abrupt abgesetzt, entwickeln sich Entzugssymptome (z. B. Unruhe, Nasenlaufen, Durchfall), die auch Heroinsüchtige erleben. Entzugssymptome können durch stufenweise Reduktion des opioidhaltigen Schmerzmittels vermieden werden. Eine körperliche Abhängigkeit von einem Medikament bedeutet jedoch nicht, süchtig zu sein. Bei süchtiger Verwendung von opiodhaltigen Schmerzmitteln werden diese aus anderen Gründen als zur Schmerzreduktion eingesetzt, z. B. um sich zu berauschen. Die vorliegenden Studien aus Deutschland weisen darauf hin, dass das Risiko eines süchtigen Gebrauches von opioidhaltigen Schmerzmitteln, welche Ärzte Patienten mit chronischen Schmerzen verschreiben, sehr gering ist.

Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?
Die häufigsten Nebenwirkungen (25-50%) sind Übelkeit, Benommenheit, Verstopfung, trockener Mund, Schwäche, Kopfschmerzen, Juckreiz und vermehrtes Schwitzen. Außer Verstopfung und vermehrtem Schwitzen bilden sich die genannten Nebenwirkungen bei den meisten Patienten nach 2-4 Wochen zurück. Weitere Nebenwirkungen sind Libidoverlust und Begünstigung von schlechter Stimmung und Depressionen.

Autofahren darf man mit Opioiden!
Jeder Autofahrer ist verpflichtet zu entscheiden, ob er fahrtüchtig ist oder nicht. Dies gilt auch bei der Einnahme von anderen Medikamenten wie z.B. Blutdruckmedikamenten. Eine Bescheinigung, dass man unbedenklich am Straßenverkehr teilnehmen kann, wird kein Arzt ausstellen. Aber eine Bescheinigung, dass Opioide aus medizinischen Gründen eigenommen werden. Das ist wichtig, falls man solche Medikamente im Urlaub ins Ausland mitnehmen muss.

Bei welchen Erkrankungen kann ein Therapieversuch mit Opioiden über 4 – 12 Wochen erwogen werden?
Diabetische Polyneuropathie: ja
Post-Zoster-Neuralgie: offen
Andere chronische Nervenschäden (Phantomschmerz, Rückenmarksschädigung….): offen
Arthrose: offen
Fibromyalgie: offen (nur Tramadol)
Chronische Schmerzen nach Nervervenverletzungen: Versuch
Sekundäre Kopfschmerzen: Versuch
Chronische Knochenschmerzen bei Knochenschwund: Versuch
Entzündliche Gelenkerkrankungen: Versuch
Chronische Muskelschmerzen bei immobilen und bettlägerigen Patienten: Versuch

Spricht die Therapie innerhalb von maximal 12 Wochen an, kann eine Langzeittherapie über 3 Monate erwogen werden.

Bei welchen Erkrankungen wird von einer Schmerztherapie mit opiodhaltigen Schmerzmitteln abgeraten?
Primäre Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerz, Migräne)
Funktionelle Störungen (z. B. Reizblase, Reizdarm))
Chronischer Schmerz als Leitsymptom psychischer Störungen (atypische Depression, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, generalisierte Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung)
Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Schwere depressive oder Angststörung
Geplante und bestehende Schwangerschaft

Was ist während der Durchführung einer Therapie mit opioidhaltigen Schmerzmitteln zu beachten?
Präparate mit langer Wirkdauer sollten eingesetzt werden. Eine Therapie mit „Schmerztropfen“ oder “Schmerzsprays“ wird daher nicht empfohlen.

Die Einnahme der opioidhaltigen Schmerzmittel sollte nach einem festen Zeitplan (in Abhängigkeit von der Wirkdauer des jeweiligen Präparates) erfolgen. Eine nur bedarfsweise Einnahme wird in den meisten Fällen nicht empfohlen

Bei stabiler Einstellung soll ein Umsetzen auf ein Austauschpräparat nur in Rücksprache zwischen dem behandelnden Arzt und dem Apotheker und nach Aufklärung des Patienten erfolgen. Nur wenn der behandelnde Arzt einem Austausch ausdrücklich zustimmt, darf dieser vorgenommen werden. Diese Empfehlung gilt auch für jede Folgeverordnung auf einem BTM-Rezept.

Die Therapie soll mit niedrigen Dosen begonnen werden.
In Abhängigkeit von Wirksamkeit und Verträglichkeit soll die Dosis schrittweise gesteigert werden, um die individuellen Therapieziele zu erreichen.
Eine optimale Dosis ist durch das Erreichen der zuvor formulierten Therapieziele sowie geringen bzw. erträglichen Nebenwirkungen definiert.

Empfohlene Maximaldosen sollen beachtet werden.

Eine mehr als 3 monatige Therapie soll nur bei Patienten durchgeführt werden, welche die individuellen Therapieziele erreicht haben.

Nach etwa 2- 4 Wochen soll die Indikation für ein Absetzen dieser Therapie überprüft werden.

Die Behandlung von Verstopfung mit Abführmitteln sollte bei den meisten Patienten prophylaktisch begonnen werden. Bei vielen Patienten ist während der gesamten Therapie mit opioidhaltigen Schmerzmitteln die Gabe von Abführmitteln erforderlich. Die Dauereinnahme von Abführmitteln schädigt den Darm nicht.

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Therapie mit opioidhaltigen Schmerzmitteln soll regelmäßig (alle 4-12 Wochen) im Gespräch mit dem Arzt überprüft werden.

Medikamentenpause: Nach sechs Monaten soll mit dem Patienten die Möglichkeit eine rVerringerung der Dosis und/oder eines Auslassversuches besprochen werden, um zu überprüfen, ob eine Fortführung der Behandlung noch angezeigt ist.

Bei einer Langzeittherapie mit Opioiden soll der Arzt in regelmäßigen Abständen überprüft werden, ob die Therapieziele weiter erreicht werden und ob es Hinweise für Nebenwirkungen (z. B. Libidoverlust, psychische Veränderungen wie Interessenverlust, Merkfähigkeitsstörungen sowie Sturzereignisse) oder für einen Fehlgebrauch der verschriebenen Medikamente gibt.

Wann soll eine Therapie mit opioidhaltigen Schmerzmitteln beendet werden?
Die Therapie mit opioidhaltigen Analgetika ist schrittweise zu beenden, wenn in der Einstellungsphase (maximal 12 Wochen) die individuellen Therapieziele nicht erreicht werden bzw. (aus Patienten- und /oder Arztsicht) bedeutsame Nebenwirkungen auftreten.

Auch wenn während der weiteren Behandlung die individuellen Therapieziele nicht mehr erreicht werden bzw. (aus Patienten- und /oder Arztsicht) nicht ausreichend behandelbare bzw. nicht erträglicheNebenwirkungen auftreten.

Wenn die individuellen Therapieziele durch andere medizinische Maßnahmen (z.B. Operation, Bestrahlung, ausreichende Behandlung des Grundleidens) oder physiotherapeutische oder physikalische oder psychotherapeutische Maßnahmen erreicht sind.

Wenn der Patient die rezeptierten opioidhaltigen Analgetika missbräuchlich verwendet.